Author Topic: Mustachianism applied to German way of life // Deutsche MMM Ratschläge  (Read 414750 times)

Christof

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Re: Mustachianism applied to German way of life // Deutsche MMM Ratschläge
« Reply #950 on: July 28, 2021, 10:28:33 AM »
@DaKini - Ja!  Das habe ich auch vor. 

Als Solo-Selbständiger in Deutschland hat man die Arschkarte von ein Steuer und Rentenperspektiv.  Ich habe es gemerkt, je man mehr Gewinn macht, je weniger davon man behalten darf.  Ich habe es gerechnet das ich für die zweite Hälfte mein bestes Jahreseinkommen im 2019 habe ich ca. 11€ die Stunde gearbeitet - also nicht lohnenswert für die schwere Arbeit die ich mache. 

Meine Strategie ist mein Gewinn so niedrig zu halten wie möglich, um Steuer und KV Beiträge zu sparen.  Das ist wirklich das beste Investierung für mich - ich habe einen Minibagger angeschafft der ich nicht wirklich brauche einfach weil es mir ziemlich viel Steuer spart wenn es in meine Garage rum steht.  Auch dabei - einfach weniger arbeiten. 

Offensichtlich ist arbeiten nur für Deppen in Deutschland.  Aus ehrliche Arbeit als Solo-Selbständiger würde von der 65000sten Euro ca. 60 cent abgenommen.  Wenn das von Kapitalerträge kommt - 25 cent.  Mieteinnahme - auch 25 cent.  Von Ausländische Einkünfte - gar nichts.   
 
So. Geräte anschaffen die ich nicht wirklich benötige um mein Gewinn klein zu halten, dabei Teilzeit (24 std/Woche, 40 Wochen im Jahr) schaffen auch.  Für mich, wenn es gut geht, kann ich aufhören komplett mit 60 und dann ab in die Heimat um ein Wohnwagen Nomade zu werden.

Ich hab' ebenfalls als Soloselbständiger, als vollhaftender Unternehmer mit Angestellten und als geschäftsführender Gesellschafter mehreren GmbHen gearbeitet. Nachvollziehen kann ich Deine Rechnung nicht. Was umfassen denn die 60%, die Dir abgenommen werden?

Zu meinen Steuerzahlungen habe ich eine Statistik und die zeigt mir, dass ich bei mehr als 65.000€ nur 20-25% an privaten Steuern zahle. Dazu noch 300€ im Monat für die Kranken- und Pflegeversicherung, und das war's. Das Unternehmen zahlt noch Gewerbesteuer, aber auch das ist ja nicht so viel zumal es dafür ja noch einen Freibetrag gibt.

60% bekomme ich nur zusammen, wenn Du freiwillig in der GKV bist und in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlst. Oder wenn Du Zusatzversicherungen hast, die Du jetzt dazuzählst. Oder wenn Du den Umsatz mit deinem Nettoeinkommen vergleichst und deswegen Umsatzsteuer und Betriebsausgaben da mit einrechnest.

Mit Angestellten ist es ja nicht besser. Für 1.000€, die ich meinen Mitarbeitern auszahle, müssen diese 3.000€ netto (also ohne Umsatzsteuer) verdienen, nur um meine Kosten und die Sozialabgaben zu decken. Erst bei mehr als 3.000€ Umsatz mache ich überhaupt Gewinn.

Eventuell wäre die Gründung einer UG etwas für Dich, also der kleinen GmbH? In der UG zahlt die Firma erst einmal Steuern auf die Gewinne. Das sind Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer. Im Schnitt sind das etwa 30-35% des Gewinns. Solange Du das Geld in der Firma lässt, fallen keine weiteren Steuern an. Erst wenn Du Geld entnimmst, zahlst Du die bekannten 25% auf Kapitalerträge. Bei solchen Überlegungen kann auch ein Steuerberater helfen.

DaKini

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Re: Mustachianism applied to German way of life // Deutsche MMM Ratschläge
« Reply #951 on: July 29, 2021, 12:39:37 AM »
Quote
Meine Strategie ist mein Gewinn so niedrig zu halten wie möglich, um Steuer und KV Beiträge zu sparen.  Das ist wirklich das beste Investierung für mich - ich habe einen Minibagger angeschafft der ich nicht wirklich brauche einfach weil es mir ziemlich viel Steuer spart wenn es in meine Garage rum steht.  Auch dabei - einfach weniger arbeiten
Das höre ich oft. Und habe die Rechnung nie verstanden, da zahle ich doch lieber Steuern und behalte den Gewinn in bar? Das lohnt doch ausschließlich nur, wenn diese "Steuersparmaßnahme" eine sinnvolle (sprich Gewinngenerierende) Investition ist.
Die grundlegende Idee ist ja, über eine Betriebsausgabe den Gewinn aus steuerlicher Sicht zu schmälern. Was bringt dir der geringere Gewinn, wenn du jetzt unbrauchbare Anlagegüter in der Garage stehen hast? Zumal nach der Abschreibung der Wert ja weg ist (und zwar real, denn die Abschreibung ist kein Steuergeschenk). Ich würde da lieber was sinnvolles anschaffen, das deiner Arbeit hilft, oder eben das Geld behalten (und dann notfalls im Firmenvermögen in ETF investieren oder sowas).

Quote
Offensichtlich ist arbeiten nur für Deppen in Deutschland.  Aus ehrliche Arbeit als Solo-Selbständiger würde von der 65000sten Euro ca. 60 cent abgenommen.  Wenn das von Kapitalerträge kommt - 25 cent.  Mieteinnahme - auch 25 cent.  Von Ausländische Einkünfte - gar nichts.   
Nicht vergessen: Die 25% Kapitalertragssteuer versteuert am "Endnutzer". Vorher gingen da schon die betrieblichen Steuern vom Gewinn runter, real ist die Kapitalertragssteuer viel höher, wenn die ganze Kette betrachtet wird.
Und dass ausländische Einkünfte steuerfrei wären, wird dich bei einer Prüfung in schwere Probleme bringen - das sind nämlich hinterzogene Steuern. Du musst halt selber dran denken, sowas in der Steuererklärung anzugeben (außer du meinst jetzt generell so nen Rant bzgl. Caymans und so).

Quote
Bei solchen Überlegungen kann auch ein Steuerberater helfen.
Ich vermute, der erste Quote kommt oft durch so eine "Beratung" zustande. Der Steuerberater optimiert die zu zahlende Steuern, hat aber i.d.R. keinen Plan von deinem konkreten Betrieb. Sein ziel ist, dass du möglichst wenig Steuern zahlst. Er zeigt dir die Ersparniss und du freust dich, dem "Staat" eins ausgewischt zu haben und denkst, du wurdest gut beraten.

Quote
Aus ehrliche Arbeit als Solo-Selbständiger würde von der 65000sten Euro ca. 60 cent abgenommen
Nochmal das, weil ich eigentlich dachte, dass am Ende alle die gleiche Steuerlast haben, und die nur vom zu versteuernden Einkommen abhängt?
Es ist doch egal, ob ich 65k als Soloselbständiger oder Angestellter einnehme? (abgesehen davon, dass ich als selbständiger halt abschreiben kann und solche Sachen, was ich als Angestellter nicht kann - *der* ist also m.M. schlechter gestellt).
Aber das vbringt mich auch zum Thema Steuerklassen. Es gibt ja auch viele, die glauben, dass der Wechsel der Steuerklasse am Ende des Tages echt Steuern spart.
« Last Edit: July 29, 2021, 12:43:04 AM by DaKini »

Feivel2000

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Re: Mustachianism applied to German way of life // Deutsche MMM Ratschläge
« Reply #952 on: August 03, 2021, 03:37:21 AM »
Es ist doch egal, ob ich 65k als Soloselbständiger oder Angestellter einnehme? (abgesehen davon, dass ich als selbständiger halt abschreiben kann und solche Sachen, was ich als Angestellter nicht kann - *der* ist also m.M. schlechter gestellt).

Naja, nicht ganz. Bei den Sozialversicherungen musst du als Selbständiger den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitrag zahlen. Also volle 18,6% Rentenversicherung. 14% für die Krankenversicherung, dann aber ohne Krankengeld, das für Selbständig wohl auch noch ein paar Fallstricke bereit hält...

DaKini

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Re: Mustachianism applied to German way of life // Deutsche MMM Ratschläge
« Reply #953 on: August 03, 2021, 06:10:43 AM »
Es ist doch egal, ob ich 65k als Soloselbständiger oder Angestellter einnehme? (abgesehen davon, dass ich als selbständiger halt abschreiben kann und solche Sachen, was ich als Angestellter nicht kann - *der* ist also m.M. schlechter gestellt).

Naja, nicht ganz. Bei den Sozialversicherungen musst du als Selbständiger den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitrag zahlen. Also volle 18,6% Rentenversicherung. 14% für die Krankenversicherung, dann aber ohne Krankengeld, das für Selbständig wohl auch noch ein paar Fallstricke bereit hält...
Ich bezog mich auf die Steuerlast; bei den Sozialversicherungen hast du natürlich recht. Als Privatier musst du das als freiwillig versicherter aber ebenso...

Feivel2000

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Re: Mustachianism applied to German way of life // Deutsche MMM Ratschläge
« Reply #954 on: August 03, 2021, 07:43:48 AM »
@DaKini , da hast du natürlich Recht.

Hat von euch einer Erfahrung mit Bitcoin Mining? Ich habe seit ein paar Monaten einen Gaming-PC laufen und muss mich da bald mal mit beschäftigen, wie das steuerrechtlich läuft.

LennStar

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Re: Mustachianism applied to German way of life // Deutsche MMM Ratschläge
« Reply #955 on: August 03, 2021, 08:33:14 AM »
@DaKini , da hast du natürlich Recht.

Hat von euch einer Erfahrung mit Bitcoin Mining? Ich habe seit ein paar Monaten einen Gaming-PC laufen und muss mich da bald mal mit beschäftigen, wie das steuerrechtlich läuft.
Da kam erst vor Kurzem was Neues raus, von ganz oben, dass Mining-Coins erst ab 10 Jahren Haltedauer steuerfrei sind, wenn ich mich richtig erinnere.

Ist aber eigentlich egal: Es lohnt sich bei deutschen Strompreisen nicht, Bitcoin zu minen. Jedenfalls nicht im Durchschnitt.
Du könntest natürlich Glück haben und nach einer Stunde 100K€ in Bitcoin finden. Oder Pech und in 10 Jahren nix.

(Ich persönlich betreibe nur BOINC+Gridcoin)

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Re: Mustachianism applied to German way of life // Deutsche MMM Ratschläge
« Reply #956 on: August 11, 2021, 01:42:31 AM »
Hat jemand Erfahrung mit Honorar-Beratern? Meine Freundin hat die üblichen Verkaufsobjekte von der Commerzbank aufgeschwatzt bekommen (Allianz Riester IndexSelect...)

DaKini

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Re: Mustachianism applied to German way of life // Deutsche MMM Ratschläge
« Reply #957 on: August 11, 2021, 09:32:05 AM »
Bisher nicht.

LennStar

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Re: Mustachianism applied to German way of life // Deutsche MMM Ratschläge
« Reply #958 on: August 11, 2021, 11:06:09 AM »
Ich rate generell von Riester ab, weil die egal bei welchem Produkt die Aktien verkaufen wenn der Kurs am niedrigsten ist - um ihre Beitragsgarantie einzuhalten. Die schieben das Problem von sich auf dich ab, und das obwohl es bei Aktienindices nicht einmal eines ist.
Aber das Geld ist futsch, die Aktien weg und der verlustreiche Rest in irgendwelchen Niedrigzinspapieren drin. Bis die Aktienkurse schön hoch sind und dann wieder gekauft werden.

Wenn dann schon Rürup - da redet dir keiner drein, wenn du das entsprechende Produkt auswählst. Allerdings sind da die (Garantie)auschüttungen in der Rentenzeit deutlich unter 4% und das Geld bei wem anders.

Bei maximalem Steuersatz und mehreren Kinderzuschlägen mag der Steuervorteil groß genug sein, aber wenn das nicht der Fall ist (wie bei mir) ist auch Rürup ein Minusgeschäft, trotz Steuerbonus.

DaKini

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Re: Mustachianism applied to German way of life // Deutsche MMM Ratschläge
« Reply #959 on: August 12, 2021, 01:46:27 AM »
Ich halte davon auch nichts, vor allem weil man im Regelfall ja Geld in eine Garantie/ein Versprechen umwandelt.
Vererben ist dann auch nochmal so ne Sache.

Ich bleibe lieber flexibel, denn was meins ist, ist meins. Das "Steuergeschenk" ist am Ende des Tages auch nicht so groß, wie versprochen - es ist nur die Differenz zwischen der jetzigen Steuerlast und der in der Rente. Meistens werden die Produkte ja mit Fokus auf die *jetzige* Steuerersparnis angepriesen, aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Abgerechnet wird am Schluss und da schauts im Regelfall nicht so gut aus; fast immer wirst du mit Selbstanlegen erfolgreicher sein (schon allein, weil das Thema Riester/Eichel/Rürup hochpolitisch ist und dir der Staat dauernd reinpfuschen kann).

LennStar

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Re: Mustachianism applied to German way of life // Deutsche MMM Ratschläge
« Reply #960 on: August 12, 2021, 08:12:31 AM »
Von staatlicher Seite kann es bei Riester aber eigentlich nur noch besser werden. Weil es so schlecht ist vor allem, zugegeben.
Das ist politischer Druck. So viele haben es auf staatliche Werben abgeschlossen, dass man es sich als Politiker nicht leisten kann, da etwas schlechter zu machen. Es wurde ja bereits 200€? als Freibetrag bei der Grundrente eingeführt.

DaKini

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Re: Mustachianism applied to German way of life // Deutsche MMM Ratschläge
« Reply #961 on: August 12, 2021, 08:40:56 AM »
Mein punkt ist, dass du bei Riester staatlicher Willkür unterliegst.
Und du Bares in ein Versprechen tauschst.

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Ich hoffe das liest noch jemand.

Hat sich einer von Euch mit dem Thema auseinandergesetzt, was sein Sparziel sein soll um FI zu sein? Ich rechne, dass mir/uns 750K Eur ausreichen, unter der Voraussetzung wir wohnen nicht mehr in Deutschland, sondern in Osteuropa oder Südostasien. Dann kann ich / können wir von 30K Eur pro Jahr leben.

Hat jemand schon ein FIRE-Budget berechnet?

Ich würde mich auf Eure Ideen freuen.

LennStar

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Ich hoffe das liest noch jemand.

Hat sich einer von Euch mit dem Thema auseinandergesetzt, was sein Sparziel sein soll um FI zu sein? Ich rechne, dass mir/uns 750K Eur ausreichen, unter der Voraussetzung wir wohnen nicht mehr in Deutschland, sondern in Osteuropa oder Südostasien. Dann kann ich / können wir von 30K Eur pro Jahr leben.

Hat jemand schon ein FIRE-Budget berechnet?

Ich würde mich auf Eure Ideen freuen.

Was heißt hier ich/wir?

Für eine einzelne Person ist 30K im Jahr in Deutschland mehr als ausreichend (aktuelle Preise natürlich, aber das (Inflation) ist in der 4% Regel quasi schon drin).

Du musst halt wissen, wie viel du verbrauchst. Dann reicht der Dreisatz.

dreampreneur

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Was heißt hier ich/wir?

Für eine einzelne Person ist 30K im Jahr in Deutschland mehr als ausreichend (aktuelle Preise natürlich, aber das (Inflation) ist in der 4% Regel quasi schon drin).

Du musst halt wissen, wie viel du verbrauchst. Dann reicht der Dreisatz.

Ich = der Verfasser der Nachricht.
Wir = ich + meine Gattin.

Ich weiß was ich verbrauche, das bringt mir aber nichts, weil:
1) ich mir die PKV nur dann leiste, wenn der Arbeitgeber für die Hälfte einspringt,
2) ich mir die Wohnung nur solange leiste wenn der Bedarf nach Wohnfläche besteht = Kinder mit uns wohnen & ich arbeitstätig bin,
3) ich nicht ohne Weiteres einschätzen kann, welche Kosten verschwinden / sich ergeben wenn ich nicht mehr arbeite.

Darüber hinaus möchte ich Ideen/Hinweise sammeln, da die meisten Informationen im Internet US-zentrisch sind. U.a. dafür ist das Forum hier gedacht, oder?

LennStar

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Ja, aber du bist einfach zu ungenau.
Nehmen wir die Krankenkasse. Einer der Kostenpunkte, die auf dich zukommen, wenn es nicht vom Arbeitgeber oder Arbeitsamt bezahlt wird.

Zur PKV kann ich nichts sagen, außer, dass ich von Anfang an davon abrate. Aus "politischern" wie auch finanziellen Gründen. Weil die Kosten unkalkulierbar sind. Was ist, wenn deine PKV droht, wegen z.B. der geringen Zinsen pleite zu gehen? 
Das Modell berufht darauf, dass du jung and gesund einzahlst, Zinsen erzielt werden und daraus dann die hohen Alterskosten beglichen werden.
Nur gab es diese Zinsen im letzten Jahrzehnt nicht, und auch mit der aktuellen Inflation sehe ich keine Hochzinszeit gekommen. In anderen Worten, du hast jahrelang zu wenig gezahlt. Entweder steigt dein Beitrag ums x-fache oder deine Kasse geht pleite. Und dann was? Theoretisch kannst du dann nicht mehr in die GKV. (Praktisch wird es doch so kommen, was ungerecht ist, womit wir bei den politischen Gründen wären.)

Bei der GKV zählt nur das Einkommen zur Berechnung. Als Mustachian wird das voraussehbar relativ gering und stabil sein. PKV lohnt sich (selbst unter ursprünglich angenommenen Bedingungen) nur für gesunde. (Was bedeutet, je teurer, desto eher in GKV, ungerecht, politischer Grund gegen PKV.)

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Ja, aber du bist einfach zu ungenau.
Nehmen wir die Krankenkasse. Einer der Kostenpunkte, die auf dich zukommen, wenn es nicht vom Arbeitgeber oder Arbeitsamt bezahlt wird.

Zur PKV kann ich nichts sagen, außer, dass ich von Anfang an davon abrate. Aus "politischern" wie auch finanziellen Gründen. Weil die Kosten unkalkulierbar sind. Was ist, wenn deine PKV droht, wegen z.B. der geringen Zinsen pleite zu gehen? 
Das Modell berufht darauf, dass du jung and gesund einzahlst, Zinsen erzielt werden und daraus dann die hohen Alterskosten beglichen werden.
Nur gab es diese Zinsen im letzten Jahrzehnt nicht, und auch mit der aktuellen Inflation sehe ich keine Hochzinszeit gekommen. In anderen Worten, du hast jahrelang zu wenig gezahlt. Entweder steigt dein Beitrag ums x-fache oder deine Kasse geht pleite. Und dann was? Theoretisch kannst du dann nicht mehr in die GKV. (Praktisch wird es doch so kommen, was ungerecht ist, womit wir bei den politischen Gründen wären.)

Bei der GKV zählt nur das Einkommen zur Berechnung. Als Mustachian wird das voraussehbar relativ gering und stabil sein. PKV lohnt sich (selbst unter ursprünglich angenommenen Bedingungen) nur für gesunde. (Was bedeutet, je teurer, desto eher in GKV, ungerecht, politischer Grund gegen PKV.)

Ad 1. Bin ich zu ungenau? OK, ich erkläre es gerne. Als Sparziel meine ich die Summe, die angespart werden muss bevor man die Arbeit aufgibt. Mit auseinandergesetzt meine ich ob jemand sich Gedanken gemacht hat, wie hoch sein Sparziel sein sollte. Ich hoffe jetzt ist es klar wonach ich gefragt habe.

Ad. 2. Die PKV / GKV Problematik kenne ich ganz gut. Es wird erstmal vom Jobcenter bezahlt, Hauptsache man ist unter 55 wenn man FIRE wird. Ob PKV politisch richtig ist - keine Ahnung. Ob es sich finanziell lohnt - wenn man Kinder hat definitiv nicht. Man bezahlt mehr, um bessere Leistungen zu erhalten und Warteschlangen zu vermeiden. Bei mir hat es sich finanziell nicht gelohnt, es war auch nicht mein Ziel. Ich könnte auch mit dem Bus fahren, statt mit einem Auto, es wäre billiger. Trotzdem kaufen einige Bürger Autos und sind damit zufrieden.

Feivel2000

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Hi,

einfach gesagt: nein, ich habe das noch nicht genauer durchgerechnet. Ich bin da noch zu weit von entfernt und gehe wahrscheinlich eher in die Richtung, dass ich in Zukunft meine Arbeitszeit reduziere... ziemlich leicht möglich, wenn man eh 40-50% spart.

Kennst du diesen Blog: https://der-privatier.com/der-blog/
(Er könnte sich mal nen Webdesigner leisten... aber egal.)

Da werden viele deutschlandspezifische Themen bearbeitet, auch wenn ich aus o.g. Gründen wahrscheinlich nicht mehr als 2 Artikel gelesen habe.

Für mich alleine würde ich 750.000€ für recht gering halten, hängt aber vom Alter ab. Mit 59 ist das sicher genug, mit 33 gibt es sehr viele Unwägbarkeiten... kann aber klappen.

Zu zweit jedoch... naja. Da müsste man wirklich mal ein FIRE-Budget erstellen und das möglichst genau.

VG

dreampreneur

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Ich kenne den Blog nicht, danke!

750K€ - naja, wir haben noch in eine Wohnung in Osteuropa investiert (die ist abbezahlt). Zur Not wohnen wir kostenlos und die Lebensmittel haben dort akzeptable Preise.

Feivel2000

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Okay, 750k ist natürlich was anderes als 750k+Xk.

Aber wenn man dauerhaft in Osteuropa wohnhaft ist, dann muss man dafür andere Dinge beachten... das macht die Situation nicht automatisch unkomplizierter :-D

Hoffe, dass der Blog für dich hilfreich ist.

DaKini

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Re: Mustachianism applied to German way of life // Deutsche MMM Ratschläge
« Reply #970 on: June 01, 2022, 02:11:30 AM »
Ich habs durchgerechnet.

Im Endeffekt hat mir ein Haushaltsbuch extrem geholfen, unsere Kostenstruktur kennen zu lernen, was nun genauere Planung erlaubt (dazu braucht man Daten über einige Jahre, je mehr, desto genauer die Prognose).
Wenn du weißt, wie hoch deine Ausgaben sind, und in welche Kostenblöcke (Freizeit, Lebensmittel, Wohnen, etc) die zerfallen, kannst du schon ziemlich gut sagen, was denn wegfallen wird, wenn sich an deiner Lebenssituation etwas ändert.
Dann: ([Ausgaben] + [Puffer]) / 0.04 = Notwendiger Kapitalstock
Beispiel: 30k+5k / 0.04 = 875k
Das ist dann eine grobe Nummer zum anpeilen (genauer wird es auch nicht mehr!). Wesentlich ist auch *worin* der Kapitalstock liegt. die 4% unterliegen ja einer bestimmten Grundannahme, was die Asset-Allokation angeht, und um die zu bestimmen, musst du etwas über die Efficient Market Frontier wissen, sowie im Wesentlichen deine Risikotragefähgikeit ermittelt haben. 30/70 Bonds/Aktien verhalten sich ganz anders als 70/30 und haben wesentlichen Einfluss auf die "erwartbare" Rendite, und die wiederum, ob 4% überhaupt haltbar sind (extrem: 875k auf dem Sparbuch halten im Beispiel <25 Jahre, danach bist du auf 0€).



PKV/GKV:
Ich empfinde das PKV-System als höchst unsozial und plädiere allein aus ethischen Gründen für die GKV. Es gibt zwar Wege von der PKV zur GKV, aber die sind an spezielle Bedingungen gekoppelt, die oft nicht zutreffen. Einmal PKV, immer PKV, und das wird im Alter echt wirklich wirklich teuer (und stellt damit ein unkalkulierbares Risiko für deine 4% dar!).
Du kannst dich jederzeit in der GKV freiwillig versichern, und das wird der Weg, den ich gehen werde. Wenn du ins Ausland gehst, schaut das natürlich auch wieder anders aus.